Statt neues Herz: 
Energie über drei Kabel

Von Dr. Gabriele Möller

Bisher konnte ein Herzschrittmacher ein schwaches Herz nicht kräftigen; er konnte nur den richtigen Takt vorgeben. Über diese Form der Schrittmacher-Behandlung haben wir in der letzten Ausgabe des Herz-Club-Magazins berichtet. Seit kurzem gibt es eine neue Technik in der Herzschrittmacher-Behandlung, durch die sich die Pumpleistung des Herzens steigern lässt. 

Diese Form des Herzschrittmachers kommt bei Patienten zum Einsatz, die eine so ausgeprägte Herzschwäche haben, dass eine Behandlung nur mit Tabletten nicht mehr ausreicht, die Herzmuskelschwäche so zu behandeln, dass der Patient in Ruhe beschwerdefrei ist oder leichte Tätigkeiten durchführen kann. 

Alternative zur 
Herztransplantation

Ein geschwächtes, vergrößertes und kontraktionsgestörtes Herz führt zu einer Beeinträchtigung der Pumpfunktion. Die Ursache einer Herzmuskelschwäche sind Herzinfarkte, Bluthochdruck, Herzklappenerkrankungen oder eine Virusinfektion des Herzmuskels. Der Patient bekommt Husten, Luftnot, Wassereinlagerungen in den Beinen und fühlt sich müde und schwach. Reicht eine Behandlung mit Medikamenten nicht mehr aus, käme eigentlich nur noch eine Herztransplantation in Frage. Es gibt jedoch nicht genügend Spenderorgane. 

Die Therapie mit dem Schrittmacher

Eine neue nichtmedikamentöse Therapieform der  Herzinsuffizienz stellt die Schrittmachertherapie dar. Voraussetzung ist, dass gleichzeitig eine Störung der Reizleitung des elektrischen Systems im Herzen vorliegt. Diese ist häufig bei der schweren Herzinsuffizienz und vom Arzt im EKG leicht erkennbar.

Bereits Anfang der 90er Jahre erkannte man, dass die Zwei-Kammer-Schrittmacher zu einer leichten Verbesserung der Symptome bei schwerer Herzinsuffizienz führen können. Der Schrittmacher gleicht den Ausfall der Reizbildung im Sinusknoten oder Reizleitung im AV-Knoten durch einen kleinen elektrischen Impuls aus. Denn ohne den natürlichen Reiz schlägt das Herz langsamer und das kann zu plötzlicher Bewusstlosigkeit führen. 

Drei statt zwei Kabel

Das neue System besteht aus einer flachen Batterie von der Größe einer Streichholzschachtel, die unterhalb des linken Schlüsselbeins unter die Haut gepflanzt (implantiert) wird und drei dünnen isolierten Drähten (Elektroden), die die Schrittmacherbatterie über ein großes Gefäß mit dem Herzen verbinden. Ein herkömmliches Schrittmachersystem hat nur ein oder zwei Kabel, die in den rechten Vorhof und die rechte Herzkammer führen und dort zu einer Stimulation des zu langsam gewordenen Herzens führen. Das implantierbare Herzinsuffizienz-Therapie-System kann jedoch noch mehr. Das dritte Kabel erregt nämlich zusätzlich die linke Herzkammer, so dass beide Hauptkammern der vier Herzkammern wieder im Gleichschritt (synchron) arbeiten können. Man nennt das Prinzip daher auch Resynchronisationssystem. Ein vergrößertes und unkoordiniert pumpendes Herz kann nicht mehr genügend Blut durch den Körper pumpen. Durch das bessere Zusammenspiel der Herzkammern – also die Synchronisation – wird die Pumpfunktion des Herzens verbessert. 

Kombinierte Geräte

Auch diese biventrikuläre Schrittmachertherapie zur Behandlung der Herzinsuffizienz bietet zusätzlich die Möglichkeit einer Kombination mit einem implantierbaren Defibrillator, denn gerade das stark geschwächte Herz neigt mehr dazu, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen wie Kammertachykardien zu erleiden. Die Schrittmacherbatterie würde dann allerdings etwas größer ausfallen. Der Arzt wird jeweils im Einzelfall entscheiden, ob diese Zusatzfunktion erforderlich oder dringend geraten ist.
 

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