Herzkrankheiten früher erforscht 

Historische Beschreibungen der Herzkranzgefäßerkrankungen

Von Oberärztin Dr. Barbara Bialucha-Nebel

Eigentlich versorgen wir Sie immer mit aktuellen Informationen über Themen der Herzmedizin. Aber jede Wissenschaft hat eine Vergangenheit. Hier beginnen wir eine mehrteilige Reihe über die Geschichte der Kardiologie.

Vielen erscheint der Herzinfarkt als das typische Bild einer Erkrankung der modernen, hektischen Zivilisation. Tatsächlich ist in den vergangenen 50 Jahren die Erforschung der koronaren Herzkrankheit in atemberaubendem Tempo vorangeschritten und hat uns eine Vielzahl von diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten eröffnet. Doch die Erkrankung des Herzens mit vernichtendem Schmerz in der Brust,  ausstrahlend in den Arm oder in den Unterkiefer, mit Luftnot, Schweißausbrüchen und oft begleitet von Übelkeit ist schon Jahrtausende bekannt. Die Abbildung unten zeigt eine sehr beeindruckende Darstellung eines Herzpatienten im akuten Anfall aus dem 18. Jahrhundert.

Herzvotiv aus dem 18. JahrhundertDoch die ersten Beschreibungen typischer Herzbeschwerden, die allerdings noch nicht dem auslösenden Organ zugeordnet werden konnten, sind wesentlich älter; sowohl die alten Ägypter zeichneten 1550 v. Chr. im medizinischen Papyrus Ebers Schmerzen in der Brust und in den Armen als lebensbedrohende Krankheit auf und empfahlen verschiedene Kräuter, die in Fett gekocht und dann in Bier dem Kranken verabreicht werden sollten. Und an Mumien konnten bereits verkalkte Herzkranzgefäße nachgewiesen werden.

In Ninive fand man Schrifttafeln aus der Zeit um 600 v. Chr., auch die Babylonier kannten „Schmerzen in der Herzgegend….Brust wie zerrissen ist…“, als gefährlich galten  Schocksymptome, wörtlich: „Wenn der Kranke eine kalte Nase hat, wird er bald sterben.“

Hippokrates (460 v. Chr.) beschrieb ebenfalls typische Beschwerden und fügte hinzu, dass Ruhe die Beschwerden lindern kann, und er wusste: „Personen, die zu Übergewicht neigen, sind der Gefahr eines plötzlichen Todes eher ausgesetzt, als die mageren Leute.“

Seneca, ein römischer Philosoph und Dichter, beschrieb um 40 n. Chr. einen typischen Infarkt: „Der Anfall ist sehr kurz und einem Sturm ähnlich. Bei anderen Leiden hat man mit der Krankheit zu kämpfen, hier aber mit dem Sterben.“

Selbstportrat Leonardo da VinciLeonardo da Vinci, ein wissenschaftlicher Universalgelehrter, (1452 bis 1519) hatte beobachtet, dass bei sehr alten Leuten die Gefäßhaut zunehmend dicker wird; dadurch wird der Blutfluss immer stärker gedrosselt.
Wenige Jahre später entdeckte der Engländer Harvey  den Blutkreislauf; bis dahin hatte man geglaubt, dass das Blut in den Geweben verbraucht und immer wieder neu gebildet wird.

Im Jahre 1768 beschrieb William Heberden die Angina pectoris so, wie sie noch heute beobachtet wird: „Die an Angina pectoris Leidenden empfinden beim Gehen, vor allem nach den Mahlzeiten, ein sehr unangenehmes und schmerzhaftes Gefühl in der Brust. Wenn es an Heftigkeit zunimmt, haben die Betroffenen das Gefühl, zu ersticken. Sobald sie aber stehen bleiben, verschwindet dieses Unwohlsein.“

Hofmaler Goya (1746-1828)Diese gute Beobachtung war leider für die Erkrankten noch ohne Konsequenz: Es gab keine Möglichkeiten, die Beschwerden wirklich zu lindern.

So hat Johann Wolfgang von Goethe ab seinem 74. Lebensjahr an Angina pectoris gelitten und starb 83jährig an einem Infarkt. Damals gab es keine medikamentösen Hilfen. Auch Francisco de Goya litt an Angina pectoris; sein Arzt stand ihm zur Seite und erhielt aus Dankbarkeit ein Gemälde des berühmten Patienten.

Besser erging es dem amerikanischen Präsidenten Eisenhower, der in den 50er und 60er Jahren drei  Herzinfarkte erlitt: bei ihm konnten das 1867 entdeckte Nitro und starke Schmerzmittel die Beschwerden lindern. Bei seinem dritten Infarkt konnte sein Leben durch den kurz zuvor erfundenen  Defibrillator gerettet werden, da er schwere Rhythmusstörungen hatte.

Fortsetzung Teil 2!


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